Bratental - Biotopbeweidung in Südniedersachsen.

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Bratental

Beweidungsflächen
Das Bratental ist seit 1982 ein ökologisch herausragendes Naturschutzgebiet im Osten von Göttingen. Es liegt zwischen Nikolausberg und Roringen und hatte ursprünglich eine Fläche von rund 115 Hektar. Im Jahr 2019 wurde das Gebiet nach Süden auf 213 Hektar vergrößert und erstreckt sich über Höhenlagen von 210 bis 354 Metern über NN. Das Bratental besteht aus Mittlerem Muschelkalk und beherbergt zahlreiche seltene Orchideen- und Insektenarten.

Bereits seit Beginn unseres Beweidungsprojekts im Jahr 2015 wurden im Bratental zwei Flächen beweidet: der Steinbruch sowie der etwa 300 Meter südlich gelegene Steilhang. Im Jahr 2026 gelang es der BSG, die dazwischen liegende Weidefläche – die Steinbreite – zu erwerben.
Der Steinbruch
Der ehemalige Steinbruch im Naturschutzgebiet Bratental in Göttingen ist vielseitig strukturiert. Im Nordwesten der Fläche befindet sich ein Kalk-Magerrasen, der weiter östlich in einen mesophilen Rasen verläuft. Im Süden der Fläche treten zwei Abbruchkanten, getrennt durch ein Magerrasenplateau, auf. Die nördliche Abbruchkante ist in den letzten Jahren durch Pflegeeinsätze entbuscht worden, die südliche weist noch eine starke Verbuschung auf. Im Südosten der Fläche befindet sich eine weitere stark verbuschte Abbruchkante. Umrandet wird die gesamte Fläche von einem Gebüschsaum. Von 2017 bis 2019 untersuchte die BSG im Zuge ihres Wildbienenprojekts auch auf dieser Fläche das Vorkommen von Wildbienen. 2019 fand im Auftrag der Stadt Göttingen eine Pflanzenkartierung statt.

Bis zur ersten Beweidung durch das Beweidungsprojekt im Spätsommer/Herbst 2015 mit etwa 20 Schafen und 15 Ziegen einer Schäferei aus Ischenrode, fanden am Steinbruch Pflegeeinsätze durch die BSG statt. Priorität hatte vor allem das Entkusseln des Kalk-Magerrasen im Nordwesten der Fläche. In der Vergangenheit fanden auch schon sporadische Beweidungsmaßnahmen anderer Schäfer statt.
Im Frühjahr 2016 wurden vier Coburger Fuchs-Schafe und fünf Ziegen in Eigenregie zum ehemaligen Steinbruch gebracht. Die Tiere konnten sich in den offenen und verbuschten Flächen am frisch austreibenden Hartriegel, Weißdorn und Schlehe erfreuen. Im Spätsommer, in der zweiten Beweidungsrunde, stand eine neue Schafsrasse zur Verfügung. Diesmal unterstützten sechs Skudden die Ziegen. Diese Kombination versprach großartige Erfolge. Neben Blatt- und Grasfraß wurden so gut wie alle Knospen an den Haupttrieben der Stockausschläge verbissen, größere Stämmchen und auch beindicke Stämme (jedoch nur mit glatter Rinde) wurden geschält.
Im Spätherbst erfolgte auf dem mesophilen Rasen, der stark von Stockausschlägen geprägt war, eine vollständige Entkusselung.
Anfang 2017 sind zwei südexponierte Felsenwände durch das Wildbienenprojekt der BSG von Gebüschen freigestellt worden, um den Lebensraum für die Bienen zu verbessern. Im Dezember fand eine weitere Freistellung an der Steinbruchkante statt. Bei der Maßnahme wurden die Schlehen und Bäume entfernt. Die nördlich gelegene Steinbruchkante ist nun komplett freigelegt. Darüber hinaus fand eine permanente Ausdehnung der Beweidung im Gehölzbestand statt.
Aufgrund der anhaltenden Trockenheit gab es im Jahr 2018 nur eine Beweidungsrunde. Beweidet wurde die Kernfläche samt Gebüschsaum im Westen, Süden und Nordosten der Fläche.
Bei einem Pflegeeinsatz der BSG im Januar 2019 wurde im Norden der Fläche eine Zaunschneise errichtet. Im Sommer konnte somit die gesamte Fläche beweidet werden. Neben der Kernfläche werden nun auch die stark verbuschten Abschnitte im Norden und Osten samt der dritten Abbruchkante im Südosten mitbeweidet.
2020 erfolgte im April auf Teilflächen vorerst die letzte Frühjahrsbeweidung. Aufgrund der regelmäßig stattfindenden zweifachen Beweidungen in den letzten Jahren sind die Flächen nun so ausgehagert, dass zukünftig wohl nur noch eine Beweidung ab Sommer sinnvoll ist.
Zu Beginn des Jahres 2021 fand im Rahmen einer Zauneidechsenförderung die Freilegung eines Abschnitts der südlichen Abbruchkante statt. Hier wurden einige Bäume und Gebüsche entfernt.

Weitere bemerkenswerte Arten sind:
u. a. Großes Zweiblatt (Listera ovata), Wiesen-Schlüsselblume (Primula veris), Alpen-Ziest (Stachys alpina), Gewöhnlicher Natternkopf (Echium vulgare), Gemeine Akelei (Aquilegia vulgaris), Knack-Erdbeere (Fragaria viridis), Gefleckter Aronstab (Arum maculatum), Elsbeere (Sorbus torminalis) und Gemeiner Wacholder (Juniperus communis), Echter Seidelbast (Daphne mezereum).
Die Steinbreite
Die Steinbreite stellt ebenfalls einen Kalk-Magerrasen dar, der eine stattliche Vielfalt schützender Fauna und Flora beherbergt. Die Fläche umfasst rund einen Hektar, wobei etwa zwei Drittel mittlerweile davon dicht zugewachsen oder bewaldet sind. In der Vergangenheit wurde der Magerrasen im Herbst nur lieblos gemulcht; gelegentlich erfolgte lediglich eine Mahd oder eine kurze Beweidung in Notzeiten. In einem oberen, verbuschten Abschnitt legte vor einigen Jahren der Naturschutzpflegeverein RüRiG eine Lichtung an. Durch die räumliche Verbindung der beiden benachbarten Lebensräume ist die Beweidung nun von Frühjahr bis Herbst gewährleistet, und ein Austausch der Samenbestände zwischen den Flächen ist möglich.
Der Steilhang
Der südöstlich exponierte Steilhang wurde erstmals 2015 über das Projekt beweidet. Neben der Kernfläche befinden sich beidseitig dichte Baumbestände, im Westen zudem ein Gebüschsaum. Schon in der Vergangenheit wurde diese Fläche beweidet wie auch entkusselt. Artefakte eines Rinderzauns sind noch heute vorhanden. Vor 2015 gab es jedoch eine Beweidungspause von mindestens zwei Jahren. In dieser Zeit wuchsen Hasel und Schlehe ungebremst auf, so dass dieser Hang sehr stark verbuschte. Nordöstlich der Fläche befindet sich ein Vorkommen der giftigen und geschützten Herbstzeitlose (Colchicum autumnale). Anfang 2016 entkusselte der Pflegeverein RüRiG die nördliche Hälfte der Fläche, später auch die südliche.
Beweidet wird mittlerweile die gesamte Fläche samt Gebüschsaum und Baumbestand für mindestens fünf Wochen. Nach mittlerweile einigen Jahren Erfahrung in der Biotopbeweidung stelle sich heraus, dass - zumindest unsere Schafe und Ziegen - die Herbstzeitlose verschmähen.

Die zwei rechten Bilder verdeutlichen gut, wie Ziegen durch Verbiss, Tritt, Schälen und Fegen der Rinde auch drei Meter hohen Hasel zurückdrängen. Da im Herbst das Gras nicht mehr genügend Nährstoffe hergibt, stellt man ein vermehrtes Schälen an Büschen (v. a. Hasel & Hartriegel) und auch an Bäumen (v. a. Esche) fest.

Weitere bemerkenswerte Arten sind:
Großes Zweiblatt (Listera ovata), Vierblättriger Einbeere (Paris quadrifolia) (2016), Wiesen-Schlüsselblume (Primula veris), Leberblümchen (Hepatica nobilis) und Gefleckter Aronstab (Arum masculatum).
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