Beweidung in Kerstlingerode - Schäferei Kerstlingerode

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Beweidung in Kerstlingerode

Schäferei
Seit 2016 leben in unserem Dorf wieder Schafe und Ziegen. Allerdings werden seitdem nur kleinere Flächen zum Herbst, Winter und im Frühjahr auf ausgesuchten Plätzen im Dorf beweidet. Seit Beginn der Beweidung werden die Flächen um die Teiche sowie anliegende Gärten und ein Feldweg, in der Vergangenheit auch die Grünflächen des ehemaligen Obdachlosenhäuschens, des Feuerwehrhauses und des Pfarrhauses, abgegrast.

Seit 2020 wird auf Wunsch des Kirchenvorstands die freien Flächen des Friedhofs von Schafen beweidet. Diese Maßnahme verfolgt mehrere Ziele. Einerseits sollen damit Kosten der Friedhofsverwaltung gesenkt werden, andererseits wird die seit 2019 bestehende Dorfrat-Initiative Blühendes Dorf zur Förderung von Bienen und Insekten unterstützt. Im Jahr 2024 kam eine benachbarte private Parzelle als weitere Beweidungsfläche hinzu.
2025 erfolgte nach fünf Jahren Schafsbeweidung auf dem Friedhof ein positives Zwischenfazit: Der Friedhof umfasst insgesamt drei voneinander getrennte Bereiche. Seit 25 Jahren wird jedoch nur noch der große nördliche Bereich aktiv für Bestattungen genutzt. Die westliche Fläche (mit dem großen Holzkreuz) ist komplett grabfrei, während sich auf der unteren südlichen Fläche noch vier Gräber befinden, von denen lediglich eines gepflegt wird. Direkt an der Friedhofsfläche ganz im Osten anliegend, wird sich seit Winter 2024/25 eine Fläche im Privatbesitz mitbeweidet.
Vor Beginn der Schafsbeweidung im Jahr 2020 mussten die Flächen mit hohem Arbeits- und Kostenaufwand gemäht werden, jedoch ohne das Schnittgut zu entfernen (Mulchen). Dies führte zu stark verfilzten und vermoosten Wiesen, die zu jener Zeit eine nur sehr überschaubare pflanzliche Artenvielfalt aufwiesen.
Seit 2020 übernehmen Schafe die Pflege. Zweimal jährlich beweidet eine Herde von 5 bis 10 Tieren die zwei Weideparzellen mit einer Gesamtfläche von etwa 2.000 Quadratmetern. Auf Düngung oder den Einsatz von Pestiziden wird dabei gänzlich verzichtet. Auch konnten die Verantwortlichen der Kirchengemeinde davon überzeugt werden, dass keine Nachpflege erfolgen sollte: Überstehende Grasstängel und Stauden bleiben über den Winter als Nistplatz für Insekten und bieten Vögeln eine willkommene Nahrungsquelle in Form von Samen und Fruchtständen. Trotz anfänglicher Skepsis hat sich die Akzeptanz mittlerweile verbessert. Zwar empfinden einige Bewohner das "ungepflegte" Erscheinungsbild immer noch als störend und ziehen eine struktur- und artenarme Rasenfläche vor, doch für die Mehrheit der Friedhofsbesucher stellt das Projekt einen positiven Schritt dar. Auch die Gebiete um drei der ursprünglich ausgezäunten Gräber auf der südlichen Fläche werden mittlerweile in das Beweidungskonzept integriert. Die Entwicklung der betreffenden Flächen verläuft äußerst erfreulich. Seit 2024 ist die Fläche in das Maßnahmenprogramm "Agrarförderung ÖR5" der Landwirtschaftskammer Niedersachsen aufgenommen, das vorschreibt, dass mindestens vier charakteristische Pflanzenarten flächendeckend präsent sein müssen. Eine Vegetationsaufnahme im Frühjahr 2025 zeigt ein beeindruckendes Ergebnis: Mittlerweile sind mindestens zwölf solcher Arten vorhanden, acht davon flächendeckend. Dieses Ergebnis übertrifft alle Erwartungen. Selbst artenreiche und geschützte Kalkmagerrasen erreichen diese Vielfalt nicht immer. Auch wenn bislang keine bedrohten oder geschützten Pflanzen festgestellt wurden, ist die Förderung einheimischer, standorttypischer Vegetation unverzichtbar für spezialisierte Insektenarten. Die seit Winter 2024/25 mit einbezogene angrenzende Wiese von etwa 1.000 Quadratmetern hat das Projekt zusätzlich bereichert.
Am Randbereich des Friedhofs sorgen Efeugewächse, die an Eschen hochklettern oder am Boden kriechen, für eigene kleine Biotope. Der Gemeine Efeu stellt insbesondere im Herbst eine bedeutende Nahrungsquelle für Bienen, Hornissen und andere Insekten dar. Auch die Waldeidechse findet im sonnenbestrahlten Südhang unter den Efeublättern ideale Lebensbedingungen vor.
Im Frühjahr und Sommer 2025 konnten folgende charakteristischen Pflanzenarten nachgewiesen werden: Großer Sauerampfer, Scharfer Hahnenfuß, Wiesen-Schaumkraut, Gewöhnliche Schafgarbe, Rot-Klee, Gamander Ehrenpreis, Kleine Braunelle, Spitz-Wegerich, Hornklee, Wiesen-Labkraut, Gras-Sternmiere, Gelbe Korbblütler

Im Frühjahr 2023 & 2024 durfte eine kleine Ziegen- sowie Schafherde auch den Schützenstand besuchen. Das dort geborene Ziegenlamm trägt mittlerweile den Namen Schützenmarie.

Im Winter 2025/26 fand eine größere Skuddenherde auf einer drei Hektar umfassenden landwirtschaftlichen Weide ihren Platz zum Überwintern.
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